Island: Skitouren zwischen Feuer, Eis und fliegenden Autotüren

Skitourengruppe im Aufstieg unter grauem Himmel über dem Fjord

Zehn Tage, vier Bergführer, über 30 Gleichgesinnte und eine Insel, die jeden Tag alle Wetter gleichzeitig im Angebot hat. Unser Bericht von der Skitourenreise nach Island zu Ostern 2026.

 

Ankunft mit Ansage

Island empfängt seine Gäste gerne persönlich. Uns mit einem ausgewachsenen Schneesturm, kaum dass das Flugzeug in Reykjavík gelandet war. Die erste Rettungsmission galt daher keinem Skitourengeher, sondern einem unserer Mietautos, das mitten in der eingeschneiten Hauptstadt feststeckte. Merke: Am Allrad ist in Island definitiv falsch gespart. Glücklicherweise fehlte es nicht an Proviant, waren die Autos doch gut mit Duty-free-Bier beladen (zweiter Island-Tipp).

Weil sämtliche Überlandstraßen sofort gesperrt wurden, brauchte es spontan ein Dach über dem Kopf, und zwar für über 30 Leute. Dieses Problem war gefühlt in weniger als zehn Minuten gelöst. Spätestens da war klar: Das ist eine besondere Truppe. Unglaublich selbstorganisiert, locker und unkompliziert, genau das, was man auf so einer Reise braucht und schätzt. Eine weitere Besonderheit unserer Gruppe: Altersmäßig reichte die Gruppe vom Kleinkind bis zum Senior, und so dauerte es nicht lange, bis wir uns wie eine große Familie fühlten.

Durchaus praktisch ist auch die vorbildliche Digitalisierung Islands: Die Fischsuppe zahlt man selbst im allerletzten Fjord mit Karte. Und die Information zum Stand der Straßen ist das Beste, was wir je gesehen haben. Live sieht man, wo gesperrt ist, wo gerade geräumt wird und in welchem Zustand die Straße ist, dazu gibt es Webcams und sogar die Zahl der Fahrzeuge, die dort zuletzt unterwegs waren.

Verschneite Straße Richtung Norden – Skitourenreise Island

 

Basislager mit Hot Pot

Am nächsten Tag ging es weiter in den Norden zu unserer Unterkunft. Der Schneesturm zog ab, die Sonne kam langsam heraus, und die Fahrt durch eine wunderschöne, teils fast surreale Landschaft ließ uns staunend am Fenster kleben: eingeschneit, vom Wind geformt und sehr unberührt. Skifreude machte sich sogleich bemerkbar.

Unser Zuhause für die nächste Woche war eine wunderbare Lodge in Siglufjörður, verborgen in den nördlichen Fjorden der Insel. Sie hatte alles, was in Island zur Grundausstattung gehört: einen Hot Pot mit Thermalwasser (das sprudelt dort gefühlt aus jeder zweiten Felsritze), Sauna, Billardtisch, Tischtennis und DIE Bar. So wurden auch die Abende nicht allzu langweilig.

Das Beste: Viele Touren starten direkt vor der Haustür, und das sollte man auch unbedingt nutzen. Ausflüge mit dem Auto bezahlt man nämlich gerne mit mehrmaligem Ausschaufeln von Auto und Parkplatz.

Hot Pot mit Blick auf den Fjord – Skitourenreise Island

Skifahren mit Meerblick

Unterwegs waren wir in vier Teams auf Ski und Splitboard mit den Guides Peter, Magda, Oliver und Armin. Das Tourengebiet reicht von den Fjorden rund um Siglufjörður über Dalvík bis nach Akureyri. Das Gelände ist vielseitig, weitläufig und fast immer mit Blick aufs Meer.

Wer hier unterwegs ist, braucht allerdings mehr als gute Kondition: Lawinen-Know-how, saubere Orientierung und Erfahrung in allen Belangen sind gefragt. Das Wetter wechselt nämlich schneller, als man „Eyjafjallajökull“ sagen kann. Und der Wind bläst teils so kräftig, dass die ganze Gruppe schon mal flach am Boden liegt, um Ski und Stöcke festzuhalten.

Apropos Orientierung: Das Kartenmaterial ist eine kreative Mischung aus analogen und digitalen Karten und allem, was das Internet sonst noch hergibt. Improvisation und gute Vorbereitung gehören da zum Programm. Unser Tipp: jede Tour tracken, dann findet man auch bei plötzlicher Wetterverschlechterung sicher zurück zu Hot Pot und Fischsuppe.

Beim Schnee gab es das komplette Sortiment: windgepresst, Triebschnee, abgeblasen und dazwischen aber auch immer wieder feiner Pulver. Dazu fehlte es aber auch nicht an Wetterfenstern, die man so schnell nicht vergisst: Sonne, Pulver, Fjord. Mehr geht nicht.

Abfahrt im Pulverschnee – Skitouren Island

Abseits der Skitouren

Wer abends noch Energie übrig hat, sollte die urige Brauerei Segull 67 in Siglufjörður nicht verpassen. In Dalvík ist ein Besuch bei „Gísli, Eiríkur, Helgi – Kaffihús Bakkabræðra“ Pflicht. Das urige Gasthaus erinnert an eine Piratenkneipe und serviert eine göttliche Fischsuppe. Von Dalvík aus kann man auch Wale beobachten. Ansonsten gibt es rundherum mehrere heiße Quellen. Highlight ist ein warmer Wasserfall bei Akureyri.

Isländische Grundregeln

Ein paar Dinge haben wir schnell gelernt:

  • Der Wetterbericht ist eine Lotterie. Gefühlt gibt es jeden Tag alle Wetter, oft innerhalb einer Stunde.
  • Belohnt wird, wer auch bei scheinbar furchtbarem Wetter die Nase vor die Türe hält.
  • Wer ins Auto steigt, hat Hardshell, Mütze, Handschuhe und Skibrille griffbereit, auch für die zehn Meter zum Supermarkt.
  • Autotüren immer mit beiden Händen öffnen. Sonst fliegt die Tür mit den Möwen um die Wette.

 

Gut zu wissen

 

Fazit

Island ist eine Insel der Gegensätze: Feuer und Eis, Schnee und Meer, karge, fast außerirdische Landschaften, pure Natur und wenig Infrastruktur. Und mittendrin die Isländerinnen und Isländer: unglaublich herzlich, hilfsbereit und mit einem Englisch, bei dem man fast ein bisschen neidisch wird. Mit dem Schnee hatten wir sicher auch Glück, denn es gab reichlich davon. Was bleibt, ist ein echtes Abenteuer mit allem, was dazugehört, eine großartige Truppe und große Lust auf eine Wiederholung.